Heute komme ich von einem
Rundflug der anderen Art zurück. Ein Arbeitskollege, dessen Mutter aus Liverpool stammt, und ich hatten neulich eine kleine Wette abgeschlossen, wer denn nun den WM-Achtelfinal-Schlager Deutschland-England gewinnen würde. Mit einem gesunden Maß an Patriotismus, wie man ihn bei uns in der Kindheit im hintersten Bayern halt so mitbekam, fiel mein Tipp natürlich auf Deutschland – während er die Engländer höher auf der Rechnung hatte. Was er sich dabei wohl gedacht hatte, unsere junge Mannschaft verliert doch nicht gegen die alternden Kicker von der Insel...!
Naja egal, der Wetteinsatz war, daß der Verlierer unserer kleinen Abmachung, den anderen in seinem
Helikopter – natürlich in der Freizeit, der Chef ist zwar ein ganz freundlicher Kerl, aber unter der Arbeitszeit hätte er mir wohl trotzdem eine Standpauke gehalten – auf eine Runde nach Wahl auszuführen. Heute war es schließlich so weit – der Tag zur Begleichung der Wettschuld war gekommen, und so suchte ich mir aus, er solle doch meine heiß geliebte Burgen- und Schlösser-Tour einmal für mich fliegen.
Im Nachhinein frage ich mich ja, wieso mir die Idee nicht früher kam, schließlich sind ja viele von uns Per-Du, und der überwiegende Teil meines Freundeskreises setzt sich tatsächlich aus Arbeitskollegen zusammen. Nicht etwa weil ich ein solcher Workaholic wäre, sondern weil mir das Hubschrauberfliegen ja auch so einen Spaß bereitet, und da lässt sich dann halt auch beim Bier fachsimpeln, ohne dass es einmal langweilig würde.
Es war ein ganz besonderes Erlebnis, auch für mich – einmal all die Sehenswürdigkeiten unserer Region aus einer neuen Perspektive zu sehen, mich dabei nicht aufs Fliegen konzentrieren zu müssen, sondern ganz relaxed da zu sitzen und mich am kulturellen Erbe des schönen Hessens zu erlaben. Für mich wie immer das große Highlight: Burg Frankenstein … als lebenslanger Liebhaber von Geschichte, Sagen und klassischer englischer Literatur haftet irgendwie jedes Mal ein gespenstischer, aber gleichsam faszinierender Schleier über dem Gemäuer der alten Festung. Dass hinter der grausamen Geschichte über den Alchemisten Diepel etwas dran ist, bezweifle ich zwar irgendwo … aber die Pflege des Mythos ist ja auch etwas durchaus Feines, Leute lieben düstere Erzählungen.
Nun, wie soll man sagen – ein einzigartiges Erlebnis. Auch wenn es für mich noch viel erfüllender ist, diese Tour selbst zu fliegen, da dort ein unbeschreibliches Gefühl ist, welches man wohl nur kennt, wenn man es selbst einmal probiert hat - ich habe mich an diesem Nachmittag amüsiert. Und vielleicht gibt es ja eine Revanche … schließlich haben wir unseren Wetteinsatz erneuert, indem ich unseren wackeren Jungs durchaus den Titel zutraue. Er tippt hingegen auf Brasilien – wollen wir mal sehen; ich hoffe natürlich, dass ich einen zweiten Flug als Passagier genießen darf, aber sollte es anders kommen und ich ihn fliegen müssen, dann ist es auch nicht weiter tragisch, in Staatstrauer werde ich auch nicht verfallen.
PS: Was passiert, wenn keiner von uns recht hat, ist noch nicht ganz geklärt. Vielleicht machen wir es einfach wie Cameron und Obama und fliegen uns jeweils einmal gegenseitig. ;-)